Ein Besuch in der Carpenters Workshop Gallery, London

Loic Le Gaillard, Mitinhaber und Gründer der Carpenters Workshop Gallery in London, hat einen guten Geschmack - wenn es um ihn und seine Prinzipien als Galerist geht. Er sagt: "Was die Reichen voneinander unterscheidet, sind nicht die Dinge, die sie besitzen, sondern ihr Geschmack."

Man möchte mit Gaillard ins Gespräch kommen, wenn man ihn trifft, denn seine überzeugte Aversion Kunst und Design klar zu definieren (Hauptsache man kann dem Objekt einen ästhetischen und funktionalen Wert aberkennen) lädt regelrecht zu einer Diskussion ein. Er ist fixiert, ja fast schon verwachsen mit seinem Galerieraum, der wohl genau das repräsentiert, was Gaillard am meisten schätzt – Design, das eine Formsprache besitzt, das provoziert und anregt und aus eindrucksvollen Materialien besteht.
Umgeben von Skulpturen oder Lampen - man weiß es zunächst nicht - von Atelier Van Lieshout, beginnt der Besucher seine Erfahrung in der Londoner Galerie. Dem Besucher wird zunächst nicht offenbart, was namentlich hier ausgestellt wird – der erste Eindruck soll nicht vom Preis oder Namen eines Produkts verblendet werden. Man merkt, hinter dem Galeriebesitzer Gaillard steckt nicht nur ein Kunstliebhaber, sondern auch ein gerissener Geschäftsmann. Eben diese Eigenschaft weiß der Gallerist auch an holländischen Designern sehr zu schätzen – Geschäftssinn.

Betritt man die restlichen Räumlichkeiten der Galerie wird einem das volle Ausmaß des Einheitlichkeitsprinzip dieser Institution erst klar. Gaillard selbst bezeichnet seine Räumlichkeiten als ‚Gesamtkunstwerk‘ und er behauptet gleich darauf, gutes Design würde erst sichtbar, wenn „es neben dem Design von anderen immer noch seine Ästhetik beibehalten könne.“

Eine Kommode von Vincent Dubourg, eine Standuhr von Maarten Baas und eine von einem Bienenschwarm inspirierete Lampe von Random International kulminieren in der CWG zu einem Ort der tadellosen Übereinkunft, als wären sie alle hier zum Blinddate mit Garantie zur Ausmachung des perfekten Partners verabredet. Zur positiven Stimmung trägt dann auch der unaufdringliche aber wohlige Duft bei, der einem hier in allen Räumen begegnet. Gaillard, einst für die Kosmetikindustrie tätig gewesen, versteht es die Sinne anzusprechen. Arbeiten von über 20 Künstlern finden in den drei diametralen Räumen seiner Gallerie platz, sorgfältig ausgesucht, darauf angelegt ein in sich konsistentes Klientel anzusprechen, nämlich diejenigen mit dem entsprechenden guten Geschmack. Und Geld.

Aber reicht das für eine Galerie? Kann Image denn zu viel sein? Schaut man hinter die Kulissen der CWG vermag man kaum glauben, welches Spektakel einem noch zusätzlich geboten wird. Nicht nur die Galerie spricht die Sprache von Gaillard’s Geschmack – sein Büro befindet sich im Obergeschoss des Nebengebäudes. Das fotografieren ist streng untersagt. Hier wird einem noch einmal bewusst, das Gaillard lebt, was er sagt, das heißt, Einheitlichkeit, Luxus und Präzision.
Man kann es sich nicht verkneifen ins Staunen zu geraten, wenn man den eindrucksvollen Raum, ja eher den Saal, betritt. Alles, ja wirklich alles ist hier aufeinander abgestimmt. Mochte man in er Galerie noch ein obskures Gefühl vernommen haben, wird hier klar, worum es in der CWG geht – eine Dienstleistung. Was wird verkauft? Ein Lebensentwurf. Gaillard sagt, dass die Reichen, zu denen er sich selbst auch zählt, nicht mehr die Dinge unterscheidet, die sie besitzen. Heute müssten sie sich durch guten Geschmack von einander distinguieren. Ich bin hin und her gerissen: Bewunderung oder Hass? Staunen oder Bestürzung? Wer offen und ostentativ darüber redet, wie der Kunstmarkt funktioniert ist eine Rarität geworden. Wie gehen wir mit einer Wahrheit um, die so offensichtlich ist, dennoch so diskret behandelt wird, wie das Darknet? Was bedeutet es heute als Künstler und Designer zu sein, in einer Welt, in der Geld (zu oft) den Wert eines Objekts bestimmt?